Verortung des Themas Somatotopien im Bezug auf die Naturheilkunde
Die Heilpraktiker sind keine Berufsgruppe, die aufwändige Diagnoseinstrumente wie EEG, EKG, CT, Szintigramm o. ä. einsetzen. Daher müssen sie ihre Diagnosen neben der klinischen Anamnese häufig auf alternative diagnostische Pfeiler stellen. Zudem ist das Feld der
Versorgung klinisch akuter Geschehnisse oftmals nicht für die Naturheilkunde geeignet. Die Naturheilkunde greift eher präventiv ein und verhindert - im Idealfall - bereits die Entstehung
von Krankheiten. Will der Heilpraktiker im präventiven Bereich tätig sein, so muss er Erkrankungen bereits im funktionellen Dysfunktionsstadium erkennen, bevor die groben Instrumente der Schulmedizin anschlagen.
Diese Grundsituation schult naturgemäß das Auge des Heilpraktikers und das Gespür für die “kleinen Zeichen”, auf die es verstärkt zu achten gilt, wenn man eine zutreffende Diagnose
stellen will. Meist sind diese Zeichen, sofern sie keine Klinischen nach A. Markgraf o. ä. sind, in
ein System eingebettet. Zudem überschneidet sich klinische und systemische Diagnostik öfters, wie z. B. beim skleralen Lipoidhügel, der sowohl bei der Augendiagnose als auch in der
klinischen Diagnostik pathognomonisch für einen entgleisten Fettstoffwechsel ist.
Zu diesen alternativen Diagnosemethoden zählen, neben den in dieser Arbeit Behandelten, vor allem jene, die somatotopische Aussagen treffen. Das heißt, sie setzen ein bestimmtes Körperareal in Bezug zum Inneren des Menschen. Methoden, die hiernach arbeiten, sind: die Antlitzdiagnose nach N. Ferronato, die Fußreflexzonendiagnose nach H. Marquardt, die Ohrakupunktur nach Nogier und der Wiener Schule, die Schröpfzonen nach J. Abele u. v. a. .
J. Gleditsch hat bereits 1983 in seiner Arbeit über Reflexzonen und Somatotopien eine Gesamtschau der Somatotopien vorgelegt. Hierbei beschränkt er sich allerdings hauptsächlich
auf eine Literaturrecherche. Seine Arbeit hat der hier vorliegenden Arbeit zwar in gewisser Hinsicht den Weg gewiesen, doch ist die Augendiagnose als somatotopisches System bei
Gleditsch nicht vertreten.
Diese Arbeit soll zweierlei erreichen: Erstens die Augendiagnose in dieses Konzept einbetten
und zweitens einen bescheidenen empirischen Ansatz als Grundlage für weitere Arbeiten auf diesem Gebiet aufzeigen.
In dieser Arbeit wird eine positive, reproduzierbare Dreierbeziehung im Sinne einer
signifikanten Korrelation zwischen den drei Diagnoseinstrumenten: Augendiagnose, Anamnese und “segmentaler Zuordnung von Wirbeln” aufgezeigt. Dies zeigt: Die Summation der Befunde verschiedener Diagnosemethoden könnte ein sinnvolles Hilfsmittel sein, um eine Verdachtsdiagnose der inneren Medizin zu erhärten oder auszuschließen.
Es liegt in der Verantwortung des Heilpraktikers, entsprechend der gewonnenen Informationen, eine aufwändigere Diagnostik zu veranlassen, oder nicht. Es wäre ein erfreulicher Fortschritt für die Medizin, wenn die Summation alternativer Diagnostik zukünftig das diagnostische Fenster in den funktionellen Bereich vorverschieben könnte und somit dort, wo apparative Diagnostik noch schweigt, bereits Alarm – kein Fehlalarm - geschlagen würde. Eine unserer klassischen
Domänen, die Gesundheitsvorsorge, würde damit auf festeren Füßen stehen.
Wenn die alternative Diagnostik darüberhinaus im klinischen Bereich eine vergleichbar hohe Diagnosesicherheit wie die “apparative Diagnostik” zeigt, dann ist noch mehr gewonnen: Sie beweist sich dann als eine echte und wirtschaftliche Alternative. Anstatt kostenaufwändiger Apparate könnten - zumindest teilweise – vermehrt patientenschonende, nichtinvasive
Methoden zur Diagnosesicherung herangezogen werden.